Überlebenskünstlerin | Tablet, Smartphone und Co – Wie viel Technik verträgt mein Kind?
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Tablet, Smartphone und Co – Wie viel Technik verträgt mein Kind?

Tablet, Smartphone und Co – Wie viel Technik verträgt mein Kind?

 

Nur noch eine Folge, dann ist genug OK? Frage ich und ertappe mich gleichzeitig dabei, wie ich meinem Kleinen erlaube, wieder einmal mehr Zeit als abgemacht, vor unserem viereckigen Kasten Namens „MacBook Air“ zu verbringen. Heute ist „Feuerwehrmann Sam“ wieder ganz hoch im Kurs und eifrig wird auch schon die Titelmelodie, der nächsten Folge mit geträllert. Wir haben keinen Fernseher bei uns zu Hause, doch hat mein Kleiner die Möglichkeit, sich bunte Ablenkung über unseren Laptop zu verschaffen.

Heute durfte er sich eine Folge ansehen, während ich unser Mittagessen zubereitete. Einerseits, finde ich es amüsant und es freut mich, wenn er Spaß daran hat, seine Lieblingsserien anzusehen, doch auf der anderen Seite schockiert es mich regelrecht, wenn ich sehe, wie hypnotisiert er in dieses Ding hinein starrt. Ich rufe dreinmal: „Schatz, bitte nimm einen Schluck von deinem Wasser, das ich dir gebracht habe- du hattest doch eben noch Durst.“ Reaktion gleich Null. Dabei muss einzig und allein ich mich an der Nase nehmen. Ich habe meinem gelangweilten Sohn erlaubt, eine Kinderserie zu schauen. Was er daraus gelernt hat- Wenn ich quengelig bin und Mami etwas zu tun hat, werde ich unterhalten. Was er nicht lernt ist, sich in Geduld zu üben, oder gar seiner Langeweile mit eigenen kreativen Ideen zu entfliehen.

 
Irgendwie kommt es mir manchmal so vor, als ob diese Handy, Tablet oder Laptop Problematik  in Bezug auf Kinder, ein richtiges Tabuthema ist. Selbst im engeren Freundeskreis bekomme ich oft mit, wie es den Eltern unangenehm ist, wenn man sie fragt, ob sie ihren Kindern erlauben, Serien zu schauen. Die verlegene Antwort lautet eigentlich immer Ja. Ich selbst bin jedenfalls oft hin und her gerissen. Wie oft wir schon ein Drama hatten, wenn ich ihm nicht erlaubt habe sie zu schauen. Paradoxerweise gibt es aber auch einfach diese gewissen Situationen, wo es super praktisch ist, einen Zeitvertreib wie diesen zu haben.
Mit einem lachenden Auge denke ich an zwei Tage unserer Reise zurück, an denen wir wegen Krankheit den Strand gegen unser Bett eintauschen mussten. In dieser Zeit war ich heilfroh, dass wir unseren Laptop dabei hatten und das W- Lan so gut funktionierte. Es klingt echt hart, aber ich wüsste nicht, was ich sonst den ganzen Tag mit ihm gemacht hätte. Dann denke ich immer an meine Kindheit zurück und versuche mich zu erinnern, was meine Eltern damals angestellt haben, um uns Kinder bei Laune zu halten. Ich möchte ehrlich zu mir selbst sein und mir nichts vormachen. Eines steht fest, vor allem im letzten Jahr ist er einfach zu oft vor diesem Ding gesessen.

 
Meine große Frage ist, wann beginnt es für mein Kind schädlich zu werden? Zu viel Medienkonsum schadet der Entwicklung meines Kindes sagen die einen, Tablets ermöglichen ein besseres Lernen, erklären die anderen. Ich arbeite selbst sehr viel mit Kindern, vor allem im Sportbereich zusammen und es ist erschreckend zu sehen, wie viel und in welcher Art, Medien in so jungen Jahren konsumiert werden.

 
In meinen Crossfit Kids Stunden, habe ich mit Haltungsschäden, vor allem durch das ständige Runterschauen zu kämpfen. Es ärgert mich schlichtweg, wenn ich von einem 10- jährigen Jungen zu hören bekomme, dass er fast jeden Tag Kopf- und Nackenschmerzen hat, oder eines meiner 8- jährigen Mädchen, bereits am Morgen mit Kreuzschmerzen in den Tag starten muss. Sobald Kinder in die Schule kommen, verbringen sie die meiste Zeit sitzend und schauen auf ihre Bücher hinunter. Anschließend erledigen sie Ihre Hausübungen in der exakt selben Position und wenn diese erledigt ist, geht es oft genauso weiter und das Hausübungsheft wird gegen ein Tablet oder Smartphone ersetzt. Da unser hübscher Kopf ziemlich viel Gewicht hat, hängt also im extrem Fall sehr viel Last am Nacken und Verspannungen sowie Haltungsschäden sind vorprogrammiert.

 
Natürlich werden Kinder damit konfrontiert, der Großteil unseres Alltags, dreht sich nun mal um Medien und den Zugang dazu findet man überall. Diese Entwicklung ist unaufhaltbar und wird in den nächsten Jahren vermutlich rasant voranschreiten. Ich persönlich denke, es ist absolut unmöglich sein Kind davon fernzuhalten, leider. Ich versuche so gut es geht natürlich damit umzugehen,

„Ja mein Schatz, wir haben die Möglichkeit uns eine Serie anzusehen, lieber aber versuche ich deine anderen Interessen auszubauen und dich darin zu fördern.“

 
Es liegt ausschließlich bei uns Eltern, wie früh und häufig wir unsere Kinder mit Medien in Berührung bringen. Ebenso dürfen wir nicht die Verantwortung dafür abgeben, was geschaut wird und wie die Reaktionen darauf sind. Fürchtet sich beispielsweise mein Kind vor etwas, sollte man unbedingt einschreiten. Eltern sollten beachten, dass in immer mehr Zeichentrickserien und Filmen Gewalt vorkommt. Dies kann zu Ängsten und Albträumen führen. Serien und Filme erschaffen Vorbilder, viele werden für real gehalten und Kinder identifizieren sich mit ihnen. Sie erleben die Gefühle ihrer Vorbilder als ihre eigenen. Auf Knopfdruck tauchen Kinder in eine bunte, fantasievolle Welt hinein, in der ihre Langeweile vertrieben und starke Emotionen ausgelöst werden.

 
Ich finde, als Eltern sollten wir nicht totschweigen, dass unsere Kinder, mehr als wir uns wünschen vor den viereckigen Geräten sitzen. Besser wäre ein Austausch von Erfahrungen, denn niemand von uns ist perfekt und manchmal müssen wir einfach funktionieren. Ich habe mir ein paar Dinge vorgenommen, um den Medienkonsum bei meinem Kleinen einzuschränken, denn ich müsste lügen wenn ich sagen würde, wir schauen sehr selten. In erster Linie habe ich selbst reflektierend festgestellt, dass ich bis dato kein gutes Vorbild war. Viel zu oft starre ich selbst auf irgendeinen Bildschirm. Genau das, möchte ich in seiner Gegenwart sein lassen und bewusster mit meinem eigenen Verhalten umgehen. Ich persönlich habe noch keine perfekte Lösung gefunden. Gibt es diese überhaupt? Habt ihr sie vielleicht? Wie geht ihr damit um? Ich würde mich freuen, wenn ich Inputs und kreative Ideen bekomme, wie wir bei uns zu Hause ohne dramatische Diskussionen den Medienkonsum einschränken können.

 

 

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