Überlebenskünstlerin | Wenn Mama und Papa sich trennen- Was wird jetzt aus mir?
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Wenn Mama und Papa sich trennen- Was wird jetzt aus mir?

 

Wenn Mama und Papa sich trennen-

Was wird jetzt aus mir?

 

Mami bin ich heute bei dir, oder holt mich heute der Papi? Wann komme ich dann wieder zu dir? Ich vermisse dich dann aber so viel! Sätze meines 4 jährigen, der die Trennung von Mama und Papa eigentlich ganz gut wegsteckt. Doch ob er es irgendwann wirklich verstehen wird, warum Mama und Papa nicht mehr unter einem Dach leben bleibt unsicher.

Seit langem habe ich diesen Einen angefangen Blog Beitrag als offene Datei vor mir am Bildschirm. Immer wieder fehlt mir der Mut ihn zu Ende zu schreiben, doch sind es nicht die Erfahrungen und der Austausch untereinander, die uns helfen weiterzumachen und nach vorne zu sehen?

Jedes Jahr sind in Österreich 18.000 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Mit zum Teil traumatischen Erlebnissen und oft gravierenden Auswirkungen. Die Zeiten haben sich geändert, früher hatten Eltern durchschnittlich 4 Kinder heute haben Kinder oftmals 4 Eltern. Um mich herum im Freunde und Bekanntenkreis gibt es zahlreiche Trennungskinder, oft sind die Eltern sehr zerstritten und wechseln kaum noch ein Wort miteinander. Viele vergessen, dass nach der Trennung die Liebesbeziehung vorüber ist, nicht aber die Elternbeziehung. Ob wir es wahr haben wollen oder nicht, man bleibt gemeinsam Eltern bis ans ende der Tage. Man trennt sich doch mit dem Gedanken, dass dann alles besser werden würde, besser für einen selbst und auch für die Kinder. Doch für Kinder bedeutet eine Trennung Verzweiflung pur. Muss ein Beziehungsaus gleich ein Familienaus sein?

Über ein Jahr ist es jetzt her, als bei uns beschlossen wurde, es wäre besser für alle, jetzt getrennte Wege zu gehen. Eine Entscheidung, die sich damals und heute richtig anfühlt. Richtig für uns Eltern, für Frau und Mann, die erstmal genug voneinander haben und irgendwie auch nicht, es aber als die vernünftigere Entscheidung empfinden und keinen anderen Ausweg mehr sahen. Nicht aber für unsere Kinder. So erleichtert Erwachsene oft darüber sind, endlich eine Entscheidung getroffen zu haben, so tief sitzt der Schock bei den Kindern. Egal wie alt, Kinder spüren, dass es um die Beziehung der Eltern nicht gut steht, hoffen aber bis zuletzt, dass sie trotzdem zusammen bleiben. Ein Wunsch der zu oft unerfüllt bleibt.
Unser Kleiner war noch keine drei Jahre alt, als wir uns schlussendlich getrennt haben. Es war keine leichte Entscheidung und man hätte es sicherlich noch hinauszögern können, nur wollten wir uns davor bewahren, die Elternbeziehung aufs Spiel zu setzen.

Es ging alles ziemlich schnell, es wurden neue Wohnungen gesucht und kurz darauf wurde geräumt und gesiedelt. Es entstand eine komplett neue Lebenssituation, mein Kleiner wurde aus seinem alten geregelten Leben rausgerissen und musste, denn er hat sich ja nicht selbst dafür entschieden, einfach „mitspielen“. Zu beginn war es keineswegs einfach, schlechte Laune und pure Überforderung auf allen Ebenen durchzogen den Alltag. Wie erklärt man einem 2 1/2 jährigen, dass Mama und Papa sich nicht mehr so lieb haben wie früher und dass es jetzt 2 Kinderzimmer, in jeweils verschiedenen Wohnungen gibt? Von heute auf morgen, musste mein Kleiner zwischen zwei Wohnsitzen pendeln und verstand die Welt nicht mehr. Ich war hin und hergerissen, denn ich wollte meinen Kleinen nicht anlügen, wollte ihm die nackte Wahrheit jedoch auch ersparen. Mein Erfolgsrezept in dieser Zeit war Geduld, Verständnis und ganz viel Liebe.

Die Zeit heilt alle Wunden sagt man, tut sie das? Bald hat sich der normale Alltag eingestellt, mein Kleiner hat es gut weggesteckt und sich einigermaßen mit der völlig neuen Situation arrangiert. Es ist etwas Gras über die Sache gewachsen und als Eltern versucht man eine neutrale Gesprächsebene zu finden, was jedoch gar nicht so einfach ist. Denn unabhängig vom Trennungsgrund sitzen Verletzungen tief und unser Ego spielt uns in solch Situation gerne einen Streich.

Statistiken zeigen leider, dass Kinder getrennter Eltern ein um 65% höheres Risiko haben, Alkohol- & Drogenprobleme zu bekommen. 97% aller Trennungskinder wiederholen die Fehler ihrer Eltern und trennen sich auch von den Müttern oder Vätern ihrer Kinder und 86% aller Trennungskinder berichten von psychischen Folgen bis ins Erwachsenenalter.

Dinge die wir als Eltern für die Zukunft unseres Kleinen nicht vorgesehen haben. Täglich habe ich diese traurige Statistik im Hinterkopf und sie ist Ansporn dafür, wie ich den Umgang mit meinem Expartner pflege. Wir haben ein gemeinsames Kind und werden dadurch immer verbunden sein, ob wir dies nun wollen oder nicht! Da wir dieses Kind auch gleichermaßen lieben, müssen wir uns zusammenreißen immer und immer wieder!

Meine Erfahrung zeigt, es kann funktionieren! Wir pflegen heute ein gutes freundschaftliches Verhältnis und stellen die Bedürfnisse unseres Sohnes in den Vordergrund und unser Ego in den Hintergrund. Wir konzentrieren uns auf das, was der andere gut macht, anstelle Fehler zu suchen und darauf herumzuhacken. Ich bin stolz darauf, dass wir es sogar schaffen zeitweise zu dritt Freizeitunternehmungen zu gestalten. Ich finde es wichtig, dass wir unserem Kleinen zeigen, dass Familie und Zusammenhalt nicht unbedingt von der zwischenmenschlichen Liebe der Eltern abhängig gemacht werden muss. Liebe kann so vieles bedeuten und in diesem Fall liebe ich es, dass mein Sohn trotz aller Umstände einen tollen Papa hat, der immer für ihn da ist und sein bestmögliches anstellt, um ihn gut durchs Leben zu begleiten.

Ein Appell an alle die vielleicht in einer ähnlichen Situation stecken, oder sich am Weg dorthin befinden: Nichts ist schlimmer für ein Kind, als die Trennung der Eltern! Doch es ist unsere Aufgabe in dieser Situation die Konsequenzen zu tragen und dafür zu sorgen, es dem Kind so leicht wie möglich zu machen. Das Beziehungsende sollte als Familienanfang zu sehen sein, außerdem muss man sich die Vorteile vor Augen führen und angestaute Wut und Verletzungen bezüglich dem Expartner dürfen nicht vor dem Kind ausgetragen werden. Das Kind darf niemals das Gefühl haben, es müsste sich zwischen Mama und Papa entscheiden. Wenn jedoch alles versucht wurde und doch keine vernünftige Gesprächsbasis zustande kommt, sollte man nicht davor scheuen sich professionelle Hilfe zu holen. Eine neutrale Person, die einen anderen Blickwinkel der Dinge hat, kann helfen die Situation neu einzuschätzen und Tipps geben, wie man sich als Familienpartner wieder näher kommt.

Bei uns hat es geklappt und wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, es ist und bleibt harte Arbeit und man muss sich immer wieder selbst an der Nase nehmen, denn lassen wir die Vernunft sprechen, muss das persönliche Ego in den Hintergrund weichen, was oftmals ein Riesen Schritt ist. Doch es fühlt sich gut und richtig an, denn schließlich hat man diesen Menschen mit dem man ein Kind hat einmal geliebt!

 

 

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