Überlebenskünstlerin | Dein Kind muss endlich in den Kindergarten!
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Dein Kind muss endlich in den Kindergarten!

 

Dein Kind muss endlich in den Kindergarten!

 

Wirklich? Muss es das? Dieses Thema hat uns als Eltern sehr lange beschäftigt. Unser Kleiner wird im Oktober 4 Jahre alt und begann erst im Alter von 3 Jahren eine Kinderbetreuungseinrichtung zu besuchen.

Ich musste mir ganz schön viel zu diesem Thema anhören. Viele Leute darunter leider auch Familienmitglieder, waren der festen Überzeugung, dass mein Kleiner mit 3 Jahren viel zu spät „dran“ wäre. Unermüdlich redeten Menschen auf mich ein und meinten, sie müssten mich belehren. „Dein Kind wird sich nicht richtig entwickeln! Er wird keine sozialen Kontakte haben! Da kannst du ja nicht gut verdienen und und und.“ Wir hörten, wie immer, auch hier auf unser Bauchgefühl, weshalb wir uns gegen eine zu frühe Fremdbetreuung für unseren Sohn entschieden haben und es fühlte sich richtig gut an.

Ich musste mir damals viele Dinge überlegen, zum Beispiel: Steht die Zeit, die ich meinem Beruf widme in Relation zu meinem Verdienst? Wo kann ich zurückstecken? Was will ich erreichen? Welche Mittel brauche ich dafür? Ist eine Kinderbetreuung für unseren Sohn notwendig? Fragen die man sich unbedingt stellen sollte, wenn man nicht der breiten Masse hinterher schwimmen möchte. Es gibt keine Lebenssituation, die sich nicht verwandeln lässt, wenn man überzeugt davon ist. So war es auch bei uns, wir mussten und müssen uns immer wieder einen Plan B zurechtlegen, da man erst während eines Prozesses auf die so wertvollen Dinge stößt. Die meisten Menschen beurteilen schnell und halten uns oft für zu alternativ und naiv, ohne sich auch nur die geringsten Gedanken über unsere Entscheidung zu machen. Aber hey, ich mache mir Gedanken!! 24 Stunden am Tag- es geht um meinen Sohn, für den ich natürlich nur das Beste möchte.

 

Es ist toll, dass der österreichische Staat unseren Kindern „Soziale Sicherheit“ gibt und den damit verbundenen Bildungsauftrag erfüllen kann. Ich halte jedoch unser Bildungssystem für sehr veraltet, sage aber nicht, dass alle Angebote, die uns zur Verfügung stehen schlecht sind. Jedoch möchte ich mir, als liebende Mutter, selbst herausnehmen, wie ich diese Angebote für mein Kind nutze! Kinder müssen Erfahrungen sammeln, lernen, Regeln befolgen und oft auch auf Kinder und Erwachsene treffen, die sie vielleicht nicht leiden können. Vor allem aber, müssen sie Kind bleiben, am besten ein Leben lang. Nichts ist besser, als spielerisch zu lernen. Jedes Kind ist ein Individuum und darum sollte es auch unterschiedlich gefördert werden. Das Wichtigste ist aber, dass wir als Eltern hinter ihnen stehen und gute Leittiere sind, sie beim Lösen von Problemen zu unterstützen und ihnen helfen ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Ich habe mich damals entschieden in erster Linie Mama zu sein und sah meinem Sohn täglich bei seiner fabelhaften Entwicklung zu, ganz ohne Kindergarten. Es war wunderschön, aber auch oft stressig, alles unter einen Hut zu bringen, wenn sich spontane Termine ergaben, oder Krankheiten dazwischen schummelten. Hier waren wir oft auf die Hilfe der Großeltern angewiesen und sind dankbar, dass unser Schatz diese Zeit mit ihnen verbringen und genießen konnte. Eine Zeit die mich unglaublich vorangetrieben hat und die ich niemals missen möchte.

Täglich beobachtete ich meinen Kleinen fasziniert, wie er sich scheinbar belanglosen Dingen widmete und konnte dabei so viel lernen, denn in Wahrheit sind wir Erwachsenen doch diejenigen, die von unseren Kleinen lernen können und sollten. In einer viel zu hektischen Welt bringt mein Sonnenschein Ruhe in meinen Alltag, er kennt den Begriff Stress nicht und genießt die einfachen Dinge des Lebens. So konnte ein Besuch in den fünf Minuten entfernten Supermarkt schon mal eine Stunde dauern, jeder Stein wurde umgedreht und keine Pfütze ausgelassen.

 

Ich konnte mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ich die ersten, wertvollen Entwicklungsjahre von meinem Sohn versäumen sollte. Die ersten Schritte, das erste Wort, der erste Tag ohne Windel, viele Eltern werden regelmäßig von den Kindergartenpädagogen/innen „upgedatet“, welchen Fortschritt ihr Kind gemacht hat. Ich wollte meinen Sohn, so lange wie möglich begleiten, anstatt ihn in eine Ausbildungsstätte zu stecken und am Ende des Tages ein in vorgegebene Normen gepresstes Kind zurückzubekommen. Die erste große Einflussquelle neben den Eltern ist der Kindergarten, darum habe ich genau hingesehen und so komisch es klingen mag, auf ein eindeutiges Zeichen von meinem Sohn gewartet.

Kurz vor seinem 3 Geburtstag haben wir dann zum ersten mal bemerkt, dass er Kontakt zu anderen Kindern sucht und darum haben wir uns entschieden, eine kleine Gruppe für ihn zu Suchen. An dieser Stelle wäre es für mich als Mama eigentlich noch nicht notwendig gewesen, doch ich wollte für ihn das Beste und somit haben wir dieses „Projekt“, wie wir es gerne nennen gestartet.

Ich musste mir eingestehen, nicht alles ist schlecht, es gibt Gruppen und Kindergärten, die toll geführt werden und wir haben eine für uns im Moment passende Kindergruppe gefunden. Wir haben uns für einen Teilzeitplatz entschieden und somit spaziert mein Kleiner, nach dem Mittagessen, welches wir bei uns zu Hause einnehmen, in eine süße Familiengruppe und er verbringt dort 4 Stunden mit seinen Spielgefährten. Jetzt habe ich wieder mehr Zeit für mich und den Raum mich beruflich weiterzuentwickeln und voranzukommen.
Unsere Reise hat gerade erst gestartet und sie wird mit jedem Tag spannender, denn jeder weiß, wie schnell die Zeit vergeht und sich das Thema „Schule“, beziehungsweise eventuelle Alternativen dazu, rasend nähern. Ich treffe oft auf Menschen, die mich verstehen und unterstützen, genauso werde ich Leuten begegnen, die mich deswegen schief anschauen und sich distanzieren. Das ist ok, niemand muss meine Meinung teilen, denn am Ende des Tages muss ich mit gutem Gewissen einschlafen können. Es bereitet mir jetzt schon große Freude, das Ganze als „Projekt“ zu sehen, auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und bereitwillig daraus zu lernen.

 

 

 

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